Biografie

Judith Kuckart wuchs in Schwelm am Rand des Ruhrgebiets auf. Ihr Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften an der Universität Köln und der Freien Universität Berlin schloss sie mit dem Magister ab. An der Folkwang-Hochschule Essen absolvierte sie eine Tanzausbildung. 1984 gründete sie das Tanztheater Skoronel, eine freie professionelle Gruppe, mit der sie bis 1998 siebzehn Produktionen realisierte. Seit 1999 arbeitet sie als freie Regisseurin.
Judith Kuckarts erster Roman „Wahl der Waffen“ erschien 1990. Es folgten unter anderem „Der Bibliothekar“, „Lenas Liebe“, „Kaiserstraße“ und „Wünsche“.
Im Juli 2019 erscheint ihr neuer Roman „Kein Sturm, nur Wetter“ bei DuMont. Judith Kuckart erhielt zahlreiche Preise und Stipendien.

Zum Schreiben kam Judith Kuckart nicht in erster Linie über das Literaturstudium, sondern über Tanz und Theater. Nach dem Unterricht in klassischem Ballett und modernem Tanz in Düsseldorf und Essen und nach prägenden Theaterbesuchen bei Pina Bausch entwickelte sie 1984 zusammen mit vier Ensemblemitgliedern in Berlin ein erstes eigenes Tanzstück, „Kassandra“, nach Christa Wolfs Roman. Die junge Compagnie gab sich den Namen Skoronel – nach der Ausdruckstänzerin Vera Skoronel, die 1932 im Alter von 26 Jahren starb. 1985 besuchte Judith Kuckart auf Zuraten von Hans Züllig die Folkwangschule Essen, bis Johann Kresnik sie als Assistentin für das Tanzstück „Pier Paolo Pasolini“ an sein Choreographisches Theater in Heidelberg engagierte. 1986, mit der zweiten Produktion „Ophelia, kann sein“, begann sich das Tanztheater Skoronel bei Publikum und Kritik zu etablieren. Zusammen mit Jörg Aufenanger, Mitautor der Skoronel-Dokumentation „Eine Tanzwut“ (1989), leitete Judith Kuckart das Ensemble bis 1998. Oft in Koproduktion mit großen Theatern entstanden insgesamt siebzehn Produktionen, für die Judith Kuckart Stoffe und Choreografien entwickelte und später auch Libretti und Stücke schrieb, die sie selbst inszenierte. Von Anfang an ging es Judith Kuckart in der Arbeit mit Skoronel darum, Körpersprache und poetische Sprache als Einheit erfahrbar zu machen. Grundlage waren zunächst Texte anderer Autoren, seit dem Stück „Charlotte Corday“ (1989) aber fast immer eigene Texte, die zunehmend narrativen Charakter entwickelten und wie in „Last Minute, Fräulein Dagny“ (1995) und „Melancholie 1 oder die zwei Schwestern“ (1997) komplexe Geschichten erzählten.

Seit der Auflösung von Skoronel arbeitet Judith Kuckart als freie Regisseurin. Sie inszenierte u.a. Kleists „Penthesilea“ (1999) am Stadttheater Baden-Baden und ihr eigenes Stück „Blaubart wartet“ (2002) im Rahmen der Berliner Festspiele. Für die Bremer Shakespeare Company inszenierte sie 2009 „Lothar I.“ und für die Kammerspiele Paderborn 2008 „Die Vormieterin“ – beide Male mit Texten, die auf den Proben in Zusammenarbeit mit dem Ensemble entstanden. Es folgten u. a. 2010 bei den Bad Hersfelder Festspielen „Carmen – Ein deutsches Musical“ und 2015 mit der Bremer Shakespeare Company das Zirkusstück „Und wann kommen die Elefanten“, das mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Thema Gehirn jongliert. Nach einer Bearbeitung der „Judenbuche“ von Annette von Droste Hülshoff unter dem Titel „Mutter, lügen die Förster“ auf Burg Hülshoff im Jahr 2016 hat sie mit „Heimaten“ 2017 ein Erzähltheater im Dorf ihrer Großmutter in Ostwestfalen mit Schauspielern und Heimatexperten aus Syrien, Sibirien, Angola und Willebadessen inszeniert.


In Judith Kuckarts Romanen und Erzählungen bleiben Tanz und Theater präsent. Die „Ästhetik des Tanzes im Text“ (Monika Maron über „Wahl der Waffen“, Der Spiegel, 1990) und „die Genauigkeit in der Beobachtung von Körpersprache“ (Rainer-K. Langner über „Die schöne Frau“, NDL, 1994) wurden schon in den ersten Büchern bemerkt. Daneben sind es vor allem die Biografien der Protagonistinnen, in denen sich die Theatererfahrung der Autorin spiegelt. Die Schauspielerin Lena und die Tänzerin Jule in „Lenas Liebe“ und „Kaiserstraße“ ebenso wie Vera aus „Wünsche“ verbindet das Wagnis der Bühne.