Lothar I.
Theaterstück von Schauspielern für Shakespeare-Darsteller von Tobias Dürr, Peter Lüchinger, Svea Meiken Petersen, Erik Roßbander, Markus Seuss und Judith Kuckart
Uraufführung 2009 Bremer Shakespeare Company

Das Stück „Lothar I“ erinnert an keinen Herrscher wie Heinrich IV. oder Richard III., sondern an den Sturm, der am späten Nachmittag eines 26. Dezembers mit 276 km/h das Land in eine andere Landschaft verwandelte.
Als der Sturm beginnt, treffen fünf Menschen in einer Sportgaststätte am Waldrand zusammen. Es sind Figuren von heute, die aber auch die Koordinaten von Shakespeare Figuren mitbringen. Tamora (39), Ornithologin. Sie hat in der Sportgaststätte ein Zimmer mit Blick auf die Welt und ein Zuhause auf Zeit gefunden. Johan Jarisch (28), Hausmeister und vieles mehr. Ihm stehen nicht nur vom Sturm die Haare böse zu Berge. Hannes Hamnet (27), Schauspieler und Musiker. Er versucht seit einiger Zeit zu schreiben. Peter Shylock (52), Immobilienmakler. Er hat seine Pläne mit dem Grundstück, auf dem das heruntergekommene Vereinslokal Rote Erde 06 steht. Herr Prospero (468), Psychologe. Er ist der Erzähler.
 Draußen tobt der Sturm. Und alle, die in dieser Nacht in Rote Erde 06 stranden, bewegen die drei alte Fragen: Woher kommen wir? Wo können wir bleiben? Wohin gehen wir am Ende der Nacht. 
Für „Lothar I.“ haben Judith Kuckart und das Ensemble die Spielvorlage geschrieben. Aus einer Skizze von fünf Bildern, mit der die Proben begannen, wurden die szenischen Momente für die Bühne entwickelt. Die Schauspieler schrieben Monologe, Dialoge, Rückblenden, Erinnerungen, Träume für ihre Rollen, so dass sie als kleine Verwandte der Shakespeare-Figuren gemeinsam eine Reise ans Ende der Nacht antreten konnten.



 

Das 80 Minuten dauernde Stück ist eine teils unterhaltsame, teils auch tiefgehende Collage mit vielen Zutaten: Shakespeare-Bezüge zu den Charakteren der ursprünglichen Stücke gibt es jede Menge, aber auch Komik und Slapstick wie das deftige Lied zum Geburtstag Tamoras. Das Ergebnis ist ein intelligentes Spiel mit Sprache, jähen Stimmungswechseln, Philosophie und Humor. (Nordwest Zeitung, 5. April 2009)