Margriet de Moor
Mélodie d´amour
Hanser Verlag 2014

Melodie d´amour, der neue Roman der niederländischen Schriftstellerin Margriet de Moor, die einmal Klavier und Gesang, später auch Kunstgeschichte und Archäologie studierte, erzählt von der Liebe. Besser, von Lieben, die gross sind, aber nicht größer als der Tod. Das hat etwas Ernüchterndes, das hat etwas Erlösendes. Das hat seine eigene Größe. Die vier Geschichten sind auf musikalische Art miteinander verwoben. Motive kehren wieder, ergänzen, widersprechen einander und überraschen den Leser.
Eins: Atie verzeiht ihrem Mann Gustaaf die Beziehung zur Untermieterin Marina nicht, auch wenn die beiden Frauen selber miteinander befreundet sind. „Aber Freundschaft ist die zerbrechlichste Form von Liebe“, sagt Margriet de Moor. Als Atie nach langer schwerer Krankheit stirbt, tragen ihre vier Söhne, unter ihnen der jüngste, Luuk, an einem 10. November 1970, den Sarg mit der Mutter darin in die Amsterdamer Regennacht hinaus, damit Gustaaf von seiner Liebe Abschied nehmen kann. Denn betreten darf er Aties Haus nicht mehr, und das Verbot gilt über den Tod hinaus. Zwei: Luuk, der jüngste Sohn von Atie und Gustaaf, verheiratet mit Myrte auf ewig, lernt Cindy in einem Café kennen, die ihn vom ersten Blick an liebt, bis die Vernunft verbrennt. Drei: Die Nachfolgerin von Cindy heißt Roselynde. Es ist eine Affäre voller Harmonie, denn Roselynde, die einmal ihren Bruder liebte, hat mit jener ersten Leidenschaft das Schlimmste hinter sich. Sie ist an einem Junimorgen 1957 bei den Wäldern südlich von Nymwegen ein anderes Mädchen, das ihr selber ein wenig, aber dem von ihr abgöttisch geliebten Bruder Rogier so ganz das Herz stahl, im Spiel unter den Zug getrieben. Vier: Luuk hat eine zauberhafte Mutter, mindestens zwei Geliebte und eine Ehefrau Myrte, die ihren freundlichen Blick nicht gern auf die Augen eines anderen Menschen fokussiert. Myrte weiss von Luuks Affären, aber schläft nicht ungern allein. Denn sie hat lange vor Luuk den Vater einer Freundin so leidenschaftlich geliebt, dass alles, was danach kommt, nur noch Beziehung sein kann. „Das Wie, meine Lieben, ist meist sehr viel relevanter als das Warum. Es ist auch menschlicher“, sagt Margriet de Moor.

Ende: Es gibt den Duft von Flieder und Wäsche wie bei Sylvia Plath, es gibt eine Nacht mit Stromausfall in einem kleinen Ort an der Küste, in der die Menschen sich alles erzählen, so wie auf einer Lesereise von Margriet Moor vor vielen Jahren, die an einem Samstag in Eisenhüttenstatt Station machte.