Judith Kuckart
Die schöne Frau
S.Fischer 1994

Bertha kennt ihren Vater nicht, wie auch ihre Mutter nicht weiss, wer sie gezeugt hat. Aufenthalte in Waisenhäusern, wechselnde Wohnorte, eine Mappe aus dem Nachlass der Großmutter mit der Aufschrift „Arisch“ liefern Indizien. Die Vermutung, dass in den NS Mütterheimen Züchtung durch dienstabgestellte
SS-Teutonen praktiziert wurde, nimmt Judith Kuckart zum Anlass, aus dieser nationalsozialistischen Genese ihre Hauptfigur Bertha zu erzählen – als das schön-hässliche Produkt deutscher Geschichte.

 

Die effektvolle Mischung aus Sex, weiblicher Seele und politischer Perversion macht in diesem zweiten Roman von Judith Kuckart dennoch nicht übersehen, dass die Genauigkeit in den Beobachtung von Körpersprache, die Verknappung im Erzählgestus und die sichere Beherrschung des Erzählrhythmus von beträchtlichem literarischen Talent dieser Autorin zeugen.
(Rainer-K. Langner, Neue Deutsche Literatur)