Oliver Kobold
leonard cohen
Reclam Verlag 2026
Leonard Cohen ist Mitte Dreißig und ein gescheiterter Schriftsteller, als er im Jahr ‘67 mit akustischer Gitarre eine rebellische, experimentelle Musikszene betritt und den Wechsel von Lyrik zu lyrics wagt. Er betritt die Welt und den Betrieb einer Joni Mitchell und einer Joan Baez, eines Bob Dylan und eines Arlo Guthrie wie einer, der sich in der Tür geirrt hat. So beschreibt es der Autor Oliver Kobold in seinem 100 Seiten schmalen Reclam-Bändchen „leonard cohen“. 1972 war ich, eine Provinzgöre aus der achten Klasse, auf meinem ersten und einzigen Cohen Konzert. Danach war ich verliebt. Cohen war extravagant extrovertiert und fatalistisch introvertiert, und die Erzählpausen zwischen Platte und Platte oft länger als manche Karrieren dauern. Schreiben bedarf der schönsten Anstrengung, wie die Liebe, weiß der Mann Cohen aus Kanada. Auch das arbeitet der Autor Oliver Kobold in seinem Bändchen heraus, Die Überschriften der elf Kapitel wie „Eine Nacht auf der Isle of Wight“, „Portrait des Schriftstellers als junger Mann“ öffnen mit atmosphärischem Schwung die Tür zu einem Dichterleben auf und hinter der Bühne, zu Cohens Leben mit Gitarre, die auch in der Sprache immer dabei ist. Andere Überschriften wie „Schreibszene“, „Improvisation I und II“, „Zwischenzeit“ signalisieren: hier kommt der Versuch einer Zuordnung, hier halten wir inne. Ein schöner Rhythmuswechsel ist das und auch eine clandestine Art, zu interpretieren ohne auf der eigenen Auslegung zu insistieren.