Szenenfoto Mutter

Judith Kuckart
MUTTER, LÜGEN DIE FÖRSTER?
Nach "Die  JUDENBUCHE"  von Annette von Droste-Hülshoff
 
Recht und Unrecht liegen nicht weit auseinander im Westfalen der Annette von Droste-Hülshoff. Das lernt Friedrich Mergel, der in ärmlichen Verhältnissen aufwächst,  schon als kleiner Junge. Sein Vater, ein Alkoholiker, stirbt früh und seine Mutter gibt ihn in die Obhut ihres Bruders, der in die großen Holzdiebstähle verstrickt zu sein scheint, die das Dorf beunruhigen.  Nicht zufällig fällt der Verdacht auf Friedrich, als ein jüdischer Händler ermordet wird. Doch was wahrscheinlich ist, ist nicht unbedingt wahr.
Die Schriftstellerin und Regisseurin Judith Kuckart inszeniert die berühmte Novelle in einer eigenen Adaption in den Gebäuden und auf dem Gelände der Burg Hülshoff, wo Annette von Droste-Hülshoff geboren wurde und aufwuchs.
 
Text: Annette von Droste-Hülshoff, Judith Kuckart
 
Mit: Svea Auerbach, Paula Dombrowski, Jutta Hoffmann, Josephine Schumann,  Claudia Spörri, Kathrin Steinweg

Musik: Rainer Becker und Schülerinnen und Schüler der Musikschule Havixbeck
 
Regie: Judith Kuckart

Komposition: Annalisa Derossi
 
Ausstattung: Martin Rottenkolber
 
Dramaturgie: Sibille Hüholt
 
Premiere 11. August 2016 auf Burg Hülshoff

Rezension:

"Mutter, lügen die Förster?" - Judith Kuckart setzt sich mit "Die Judenbuche" von Annette von Droste-Hülshoff auseinander

Mehr als ein Sittengemälde


Havixbeck, 12. August 2016. Das Publikum sitzt in der Ecke eines weiten, u-förmigen Raumes mit mächtigen Balken und einem Sandboden. In dieser "Vorburg" mag einst Vieh gestanden haben, hier, wo der Ort für die einfachen Leute war, von denen Annette von Droste-Hülshoff in ihrer Novelle "Die Judenbuche" von 1842 erzählt. Irgendwo im weiten Halbrund hackt jemand Holz oder es wird der Sand gerecht, - Anspielungen auf Ereignisse in Lebensgeschichten von einzelnen Figuren. Aus einer kleinen Schauspielerinnenschar heraus treten immer wieder einzelne Darstellerinnen vor das Publikum. Sie erzählen mit dem Text der Droste zum Beispiel vom Leben des Friedrich Mergels, der vielleicht zu einem Mörder geworden ist. Das tun sie oft, indem sie den Text der Autorin als Erzählerinnen vortragen, manchmal aber auch, indem sie einzelne Figuren unaufgeregt spielerisch gestalten. Dieser beständige Übergang von nacherzählter zu nachgespielter Geschichte, wobei das Zitieren vor jedem Verkörpern kommt, schafft eine ganz eigene, zugleich realistische wie unwirkliche Poesie von hoher Künstlichkeit. Wozu außerdem ein Orchester aus Kindern und Jugendlichen mit seinen Blas- und Streichinstrumenten wunderbar beiträgt, das sich immer wieder durch den Raum bewegt.
Hartmut Krug, Nachtkritik 12.8.2016