Gut & Böse: Rezensionen zu "Kaiserstraße"

"Kaiserstraße" ist ein beglückendes und unperfektes Buch. Ein bisschen ist es wie seine Heldin Jule: klug, spröde, liebenswert.
(Claudia Voigt, Kulturspiegel)

Es gibt Autoren, die Sätze schreiben können wie Haken, an denen der Leser hängt. Sinnvoll im Erzählfluss, nicht notwendigerweise prunkvoll oder absonderlich, aber schön und licht und klug zugleich.
Peter Handke ist ein solcher Autor, Judith Kuckart ist eine solche Autorin.
(Der Spiegel)

Ein spannender Psychokrimi unserer Verhältnisse, mit einer zwischen Pathos und Ironie flirrenden, elektrisch geladenen Sprache. Ein Roman, der uns von den Figuren, die er uns aufhalst, am Ende auch befreit. Unbedingt lesen!
(Gabriele Killert, Die Zeit)

Judith Kuckarts eindringliche, traurige, schöne Sittengeschichte "Kaiserstraße" – ihr fünfter, wohl auch bester Roman.
(Martin Lüdke, Frankfurter Rundschau)

Für die Vermutung, daß es Kuckart nicht gelingt, sich von der konventionellen weiblichen Opferperspektive ihres Alter ego zu emanzipieren, spricht auch das peinliche Detail, daß das in ihrer Danksagung bedachte Künstlerhaus im Roman als Oase der Selbstfindung verewigt wird.
(Richard Kämmerlings, Frankfurter Allgemeine Zeitung [sic])

So unsentimental betörend wie Judith Kuckart erzählt gegenwärtig niemand von der Sehnsucht.
(Jörg Plath, Tagesspiegel)

Kuckart zitiert die Klischees, um das Gedächtnis aufs Glatteis zu führen. Jeder Aha-Effekt lockt in die Irre. Denn "Erinnerungen waren Bilder, die man nicht fröhlich herumreichte, sondern in einem verschlossenen Zimmer mit dem Gesicht zur Wand stellte". Das Zeitkolorit ist bunt. Doch die Kulisse ist um eine dunkle Stelle herumgebaut: um eine Sehnsucht, die an die Wand starrt. [...] Es sind solche Bücher, die uns das Spieglein vorhalten, die Klischees entkräften und uns erinnern, wie es wirklich gewesen ist, hinter den sieben Bergen der jüngsten Vergangenheit.
(Andrea Köhler, Neue Zürcher Zeitung)

Mit Mut zu zeitlichen Sprüngen, mit dem Geschick, Zeit zu raffen oder für einen Moment einzufrieren, ist Judith Kuckarts Roman ein erster Höhepunkt der deutschen Literatur in diesem Frühjahr.
(Hajo Steinert, Tages-Anzeiger)

Ist dafür Wolfgang Koeppen gestorben? Ist Arno Schmidt für eine solche erzähltechnische Ahnungslosigkeit durch sein Heidemartyrium gegangen?
(Maus, Süddeutsche Zeitung)

Kuckart bricht Chronologien, holt Geschichten nach, wechselt Blickrichtungen, Tempi virtuos. Sie umkreist immer wieder Bilder und Sätze, die nicht nur ins Mark treffen, sondern unter den Füßen der Figuren Räume aufreißen und die Wahrheit, die Bewußtseinswelt begreifbar machen, in der zumindest jene leben, die in der alten Bundesrepublik aufwuchsen. Der Weiterbildungseffekt dieser literarischen Super-8-Filmvorführung für die nachwachsenden Generationen ist groß. Der Wiedererkennungseffekt für unsereinen gewaltig.
(Elmar Krekeler, Die Welt)

Es gibt anrührende, mit großer Einfühlsamkeit erzählte erotische Szenen, Schilderungen von Geburtswehen und Fehlgeburten, von schweigendem Eheunglück und gescheitertem Doppelleben. Es gibt in ihrer Einfachheit ergreifende Sätze, mit bitterem Witz pointierte Formulierungen und einen scharfen Blick für Gebrauchsgegenstände als Erinnerungsspeicher. Und es gibt Einfälle, die gerade deshalb so großartig sind, weil sie alles Auftrumpfen der Könnerschaft vermeiden und die Entdeckung dem Leser anheimstellen.
(Heinrich Detering, Literaturen)

Judith Kuckart hat sich viel vorgenommen. Zu viel.
(Julia Schröder, Stuttgarter Zeitung)

Ein erstaunliches Buch: beredt, aber nicht eloquent, dicht am Alltag, aber viel mehr als dessen Spiegelung - nämlich grimmig ironisch, zugespitzt, mitleidig und distanziert in einem Moment. Sympathisch wie intelligent. Voller Figuren, denen man schon irgendwo begegnet zu sein meint, und die man doch hier erst kennenlernt. Alles endet übrigens, wie es begann, mit der Nitribitt. Lesen!
(Lisa M. Mueller, Leipziger Volkszeitung)

Judith Kuckarts kunstfertiger, aber steriler Roman "Kaiserstraße"
(Marion Lühe, taz)

Wie treffend und stilsicher Judith Kuckart Zeitkolorit in knappen Sentenzen wiedergibt, macht einen guten Teil der Lesefreude aus.
(Margit Boeckh, Mitteldeutsche Zeitung)

Kuckart hat den leisen Witz jener Menschen, die sich nicht vergewissern müssen, ob die Pointe sitzt.
(Jens-Uwe Sommerschuh, Sächsische Zeitung)

Auch in "Kaiserstraße" ist die Plakativität des Todesorts mehr als zweifelhaft, da es als Pappkulisse ausgerechnet im postmodernen Drama des Subjekts für die passende Atmo sorgen soll.
(Schuster, Berliner Zeitung)

Die Schriftstellerin weiß, worauf es ankommt: das Normale staunend schildern. Tatsächlich haben wir die Wirklichkeit noch nie so gesehen, wie Judith Kuckart sie beschreibt.
(Hannoversche Allgemeine Zeitung)

Dass Judith Kuckart eine Autorin ist, die große Romane schreiben kann, wusste man eigentlich bereits nach ihrem Roman Der Bibliothekar. Judith Kuckart kann Sprache in Kunst verwandeln. In Kaiserstraße besitzen ihre Sätze feste Form und verzweigen sich selten. Blitzschnell wechselt das Erzählen mit hartem Schnitt von Handlungspassagen zu den Figuren. Auch dann bleiben es meist Hauptsätze. Deren wissende Klarheit ist kaum noch zu überbieten.
(Michael Hametner, Freitag)

Die Zitatauswahl versucht, Stil, Inhalt und Argumentationsrichtung der jeweiligen vollständigen Rezension im Kern wiederzugeben.

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